Sattlerei Meißner
 

Abschied von einem ganz besonderen Hund und Teil des Sattlerei-Meißner-Teams

Viele unserer Kunden kennen Hexe von verschiedenen Bildern hier auf der Homepage, dem ein oder anderen Post auf unserer Facebookseite oder aus der Sattlerei. 10 Jahre hat sie uns begleitet und war vom ersten Tag meiner Selbständigkeit an stetige Begleiterin in der Werkstatt.

Im September diesen Jahres mussten wir schweren Herzens von ihr Abschied nehmen.

Als modernes Medium haben wir Facebook für einen kleinen Nachruf genutzt:


Du warst mein Schatten und mein Licht.
Meine treue Begleiterin in meinen hellsten und meinen dunkelsten Stunden der letzten 10 Jahre, die Konstante in meinem turbulenten Alltag. Der Grund, vor die Tür zu gehen und gemeinsam mit dir die Nase in den Wind zu halten und seinen Geschichten zu lauschen, jedes Wetter im Gesicht zu fühlen und mit dir im Moment zu leben. 
Und ich bin unendlich dankbar, dass ich den besten Hund der Welt an meiner Seite haben durfte.

Da Hexe mit ihrer Art so viele Menschen zu begeistern wusste, egal, ob sie in tiefer Trauer Trost gespendet hat, ein klein wenig Angst genommen oder einfach nur da gewesen ist und sich hat flauschen lassen, habe ich mich entschieden, es doch hier auf FB zu posten.

Nach kurzer schwerer Krankheit ist sie uns einen Schritt voraus gegangen.
Vielleicht bin ich nicht die einzige, die Abschied nehmen möchte.

Wir sehen uns auf der anderen Seite, Hexenkind.




Und wie es so oft ist im Leben, dauerte es nicht lange, bis eine Nachfolgerin bei uns einzog: Farmcolliehündin Fey.

Ganze 4 Monate war sie alt, als wir sie abholten. 

Hexe hat nicht nur riesige Pfotenabdrücke für die kleine Fellnase hinterlassen, ich hatte auch ganz vergessen, wie anstrengend, herausfordernd, spannend und lustig ein Welpe ist. 

Das und weil es sonst wenig Neues und Aktuelles hier zu posten gibt, habe ich mich entschieden, Feys Alltag und unsere Erlebnisse in einem Blog auf unserer Homepage festzuhalten. Wir freuen uns, wenn der ein oder andere Zeit und Lust hat, mitzulesen und sich ein wenig unterhalten zu lassen.

 

 

 

 



Terrorist Sturmfrisur - oder die Kunst sich von seinem Hund nicht in den Wahnsinn treiben zu lassen:

Feys Blog

( Auch hier zu finden:  https://www.facebook.com/SattlereiEssen/  )

 Es ist Sonntag, meine Nase ist verstopft, der Hals kratzt und der Kopf brummt ein wenig. Können eigentlich auch Frauen eine Männergrippe bekommen?

Mit genug Tee und Halstabletten sehe ich allerdings in der Ferne einen Hoffnungsschimmer auf ein Leben nach der Erkältung. Bis dahin habe ich unerwartete Freizeit, ist doch ein großer Teil der Planung für mein Wochenende an der akuten Ungesundheit abgeprallt und verschoben.

Vor einigen Tagen war mir bereits die Idee gekommen, meinen Alltag mit Fey in einem Blog festzuhalten. Doch zunächst gilt es, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, die Geschichte am Anfang zu beginnen.


  

Aller Anfang ist Magenschmerzen


Bis mir auffiel, dass ich 3x eine Anzeige des selben Hundes auf die Merkliste gesetzt hatte, dauerte es ein paar Tage. Dann jedoch, war meine Neugier geweckt. Es war weniger das Bild, viel mehr der Inhalt des Textes, die Beschreibung, die mein Interesse geweckt hatte.

Links Feys Schwester, rechts Fey

Ein Farmcollie, die Mama ein Border Collie, der Vater ein britischer Langhaar Collie, 16 Wochen alt.

Meine eigenen Worte klangen leise in meinem Ohr: „Ich würde mir niemals einen Border Collie anschaffen! Das ist ein Arbeitshund und dem kann ich mit meinem Alltag nicht gerecht werden.“

Aber deshalb ja wieder ein Mischling, der Border ist ja „entschärft“, sollte also kein Problem sein. Hexe war ja schließlich auch ein Border-Mix. Nach 2 Besuchen in ihrem Zuhause und einem Besuch mit Mama und Schwester bei uns in der Werkstatt, stand die Entscheidung fest: Am 23.10.17 soll sie bei uns einziehen.


Wenn es eine große Schublade gibt, in die man alles hinein schüttet, wovon man bei der Auswahl eines Welpen die Finger lassen sollte....ich habe diese Schublade recht zielsicher gefunden. Irgendwo in meinem Hinterkopf wusste ich das auch, wollte es aber nicht wahr haben. Das letzte Wochenende vor ihrem Einzug quälten mich gemeine Magenschmerzen, etwas, wovon ich normalerweise verschont bleibe. Mein Bauchgefühl hat versucht, mich zu warnen. Mehrfach. Und ein anderer Teil von mir, hielt dagegen. Wir machen es trotzdem.

Sie hatte noch immer keinen neuen Namen, nur den, den sie schon bekommen hatte, sollte sie auf keinen Fall behalten. Ich hatte mich erneut durch sämtliche Literatur gelesen, die ich in den letzten Jahren so angesammelt hatte ( was reichlich wenig ist und sich auf eine Box zum Thema Cklickern beläuft ...) und mich durch das Internet gewühlt, auf der Suche nach Erziehungstipps für Welpen und besonders für Border Collies. Was ich las, ließ meinen Mut eher sinken. Plötzlich war ich mir wieder nicht mehr so sicher, ob ich das alles richtig machen und dem kleinen Hundekind auch ein gutes Zuhause bieten könnte. Doch ich blieb bei meiner Entscheidung und wir fuhren sie abholen: Das Geschenk von meiner Mama, denn Geschenke bringen Glück. Und Geschenke weist man nicht zurück.


 

Auf der Heimfahrt

 Bewaffnet mit alten Handtüchern und Küchenrolle für den Fall, dass die lange Autofahrt für Übelkeit sorgt, haben wir es fast geschafft. 1km vorm Ziel war es dann doch zu viel für den kleinen Magen.

 Die ganze Fahrt bleibt sie recht artig auf meinem Schoß sitzen, beobachtet die Fahrerin, meine beste Freundin, beim Schalten und schaut aus dem Fenster.

Der Feierabendstau des Ruhrgebiets hat es für einen Montag recht wenig auf uns abgesehen und wir kommen nach einer knappen Stunde im neuen Zuhause an.



Das erste böse Erwachen folgt direkt nach der Ankunft. Statt neugierig die neue Umgebung  zu erkunden, versucht die kleine Fellnase eine Möglichkeit zur Flucht zu finden. Hektisch, leicht geduckt und mit eingeklemmter Rute schießt sie von einer Ecke, von einer Tür zur nächsten. Sie lässt sich weder ansprechen, geschweige denn anfassen. Zum Glück ist gerade Feierabend und ich schließe alle Türen der Werkstatt zu, setze mich an den Schreibtisch und warte, was passiert.

Nach ein paar Minuten schleicht sich etwas in die Nähe meiner Füße. Ich frage mich, wie ich sie nun nennen soll. Feya? Oder doch eher River. Ja, River aus Firefly. Heute weiß ich, der Name hätte fantastisch gepasst, aber er lässt sich einfach nicht gut rufen. Also Feya. Vorsichtig spreche ich sie mit ihrem neuen Namen an. Ihre Aufmerksamkeit habe ich, daran sie anzufassen, brauche ich nicht denken. Mein Magen macht sich schmerzhaft bemerkbar.

Irgendwie schaffe ich es, der kleinen Feya ihr Halsband wieder anzuziehen und mit ihr zusammen zum Stall zu fahren. Mehr verschreckt als artig bleibt sie unterwegs in meinem Fußraum hocken.

 



 

 

 




Am Stall gehen wir in die kleine Halle, damit ich die Leine abmachen und die kleine Fellnase sich die Füße vertreten kann. Hier dann endlich die erste positive Überraschung: Statt das Weite zu suchen, folgt sie mir auf Schritt und Tritt.















Leider hält das nicht lange an. Als ich abends mit ihr zur Wohnung gehen will, hat es schon wieder ein Ende damit, mir überall hin zu folgen. So bin ich gezwungen das Fellbündel in eine Ecke zu treiben und sie mir unter den Arm zu klemmen. Was für ein widerliches Gefühl als Abschluss für den ersten Abend.

Die nächsten Tage zeigen, dass Fey leider recht wenig Sozialisation erfahren hat. Eine ganze Menge Dinge sind ihr fremd und sie bewegt sich unsicher durch ihr neues Leben. Der erste Schreck sitzt tief und ich beobachte mit Entsetzen, wie mein Hund sich vor mir weg duckt, wenn ich die Leine am Geschirr befestigen möchte. Draußen sind wir mit Schleppleine unterwegs, vor der sie sich ebenfalls gruselt. Die Nächte sind unruhig, obwohl sie in ihrer Box untergebracht ist, kommt sie kaum zur Ruhe, wenn ich sie morgens raus lasse, läuft das kleine Mädchen sofort aus und ich sitze in einem See.

Gefühlt verbringe ich die Zeit damit auf den Knien herum zu rutschen und Hundepipi aufzuwischen, Teppichschaum zu verwenden und dreckige Lappen zu waschen. Schlaf braucht sie scheinbar auch nicht, denn sie verfolgt mich auf Schritt und Tritt, dabei ihre Umgebung erkundend. Das erste Kommando, das wirklich sitzt? "Nein" Aber ich bin auch froh, dass sie nun ihr Umfeld aktiv wahrnimmt. Die Werkstatt wird ausbruchsicher gemacht, die Trennung zum Kundenbereich erhöht, neu verschraubt und die Schwingtür erhält eine Fixierung, damit sie nicht mehr schwingt.

Für mich ist es ein Wechselbad der Gefühle unter Dauerstrom. Fey ist so unsicher, dass ich auf gar keinen Fall etwas falsch machen und damit das erste vorsichtige Vertrauen wieder gefährden will. Während sie etwas an Sicherheit gewinnt verliert sie das A in ihrem Namen.

Als sie sich das erste Mal auf den Rücken dreht, um sich von mir den Bauch kraulen zu lassen, kann ich mein Glück kaum fassen. Dennoch habe ich das Eindruck, meine Wohnung mit einer Fremden zu teilen. Einen Welpen hatte ich anders erwartet. Aufgeschlossener. Neugierig, unbedarft. Ein unbeschriebenes Buch voller leerer Seiten. Doch in dieses hier hat schon jemand hinein geschrieben. Chaotisch, irgendwo, so dass mich immer wieder Verhaltensweise vollkommen unvorbereitet überraschen. Von der angeblichen Stubenreinheit ist nichts zu merken. Diese Kotbeutel sind drinnen ebenso praktisch, wie draußen.

Ich denke darüber nach, ob ich ihr überhaupt gerecht werden kann, ob es eine Chance auf ein glückliches gemeinsames Leben gibt. Jeder Fremde, also alle außer mir, sind gruselig. Sobald sie jemand auch nur ansieht, ergreift sie die Flucht. Als mein Freund am Ende der ersten Woche nach Hause kommt, gerate ich das erste Mal wirklich an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Fey geht auf die Barrikaden, bellt und knurrt ihn an. Der erste Versuch die beiden einander vorzustellen ist gründlich in die Hose gegangen. Mein erster Anlauf einen Platz in einer Welpengruppe zu bekommen ist gescheitert, weil Fey ein unsicherer Hund ist wurde sie ohne ein erstes Kennenlernen ausgeschlossen. Frustriert, müde, verunsichert und mit meinem Rat am Ende, greife ich nach der ersten Idee, die mir einfällt. Freunde zum Kaffee einladen. Der kleinen Fellnase zeigen, dass andere Menschen gar nicht so schlimm sind. Das ist zumindest ein Anfang. Besser, als jetzt schon aufzugeben, besser, als sie wieder zurück zu bringen. Nach einem Aufruf über Facebook gibt es tatsächlich ein paar Freiwillige und ein Paar ganz besondere Menschen, die uns mit ihrem kleinen Rudel zu einem Spaziergang einladen. Hierbei taut sie merklich auf - und ich finde wieder etwas Halt in den aufmunternden Worten; Menschen, die von außen auf unsere Situation sehen und sagen: "Hey, es gibt Hoffnung. Alles, was du brauchst, ist Geduld."

Ja, verdammt. Sie ist gerade mal seit 10 Tagen da. Was erwarte ich eigentlich von dem Baby? Hexe war ein erwachsener, gut sozialisierter, souveräner Hund, der sich über die Jahre perfekt in mein Leben integriert hatte. Ein Hund, der über Tische und Bänke ging, als sie zu mir kam. Ein Hund, der auf den ersten Fotos stets mindestens einen halben Meter über dem Boden schwebte, da sie einfach keine Ruhe fand.

Ich entscheide mich dazu, die Herausforderung anzunehmen, suche mir andere Welpenkurse. Samstags in einer Hundeschule, sonntags in einem Verein. Fey scheint mehr von ihrer Border-Collie-Mama mitbekommen zu haben, als von ihrem Vater. Also lese ich zahlreiche Artikel und Beiträge im Internet, die sich besonders mit der Erziehung und Ausbildung von Border Collies befassen, bestelle mir ein Fachbuch zum Thema von jemandem, der seit vielen Jahren Border Collies züchtet. Im Alltag suche ich uns kleine Aufgaben, die Fey Schritt für Schritt durch Gewöhnung an Alltagssituationen Sicherheit geben sollen.

03.12.2017

Die ersten 6 Wochen sind um. 6 Wochen, die sich anfühlen, wie eine Achterbahnfahrt auf Drogen.  Ich bin erkältet und Feys Programm beläuft sich dieses Wochenende auf 2x Hundeplatz und ansonsten Ruhepausen unterbrochen von Mini-Pipi-Runden. Gar kein Problem, sie liegt neben mir auf ihrer Decke, döst oder zerrupft Toilettenpapierrollen, kaut auf einem ihrer Spielzeuge. Na siehste, der Borderline Collie kann also doch auch Pause machen.

Da es so viele größere und kleinere Baustellen und zahlreiche Aha-Momente gegeben hat und ich vieles gar nicht mehr chronologisch aufschlüsseln kann, folgen die nächsten Tage ein paar Themen bezogene Beiträge.


 

Fortsetzung folgt!